D – Abkühlung mit Aha-Effekt

Sommerhitze in Berlin, auf der Suche nach Abkühlung ist ein Gang vom Flohmarkt am Schöneberger Rathaus in das imposante Gebäude naheliegend. Die Halle dunkel und wenig einladend, aber ein Hinweisschild auf eine ständige Ausstellung verspricht nicht nur legitimes Verweilen im Schatten der Gemäuer, sondern auch einen Informationsgewinn: Unter dem Motto „Wir waren Nachbarn“ kann man sich in einer Ausstellungsinstallation mit 160 Biografien jüdischer Zeitzeugen aus der Nazizeit und ihren individuellen Schicksalen bekannt machen, die in Schöneberg und im Kiez „Bayrisches Viertel“ einst zu Hause waren.

Der Ausstellungsraum erinnert an einen Bibliothekssaal, angenehm ruhig, hell, strukturiert, die Biografien werden an Lesetischen in aufklappbaren Mappen mit Berichten, Fotos, Dokumenten präsentiert. Ehe man es sich versieht, hat man sich an einer dieser Stationen festgelesen. Die Namen der sind teilweise bekannt – spannender aus meiner Sicht hier jedoch die Schicksale der Unbekannten, die teilweise als Kinder auf der Flucht, in Verstecken, bei der Deportation, in den Konzentrationslagern unglaubliche Tortouren erleiden mussten.

Das Schicksal eines Mädchens lässt mich nicht mehr los: Sie wird im Alter von sieben, acht Jahren über Monate in Kellerverschlägen versteckt, überlebt in Dunkelheit und Einsamkeit und wird schließlich von russischen Soldaten aus dem Versteck befreit. Nun – als alte Frau – lebt Rahel R. Mann wieder in Berlin und kommt jeden ersten Montag im Monat um 17.30 Uhr zu einer Lesung und zu einem Zeitzeugengespräch in den Ausstellungssaal. Hier dazu noch ein Link zum Weiterlesen.

Einmal im Monat ist Rahel R. Mann zu einer Lesung im Ausstellungssaal.

Der Besuch der Ausstellung ist frei. Alle relevanten Informationen für Interessierte im Netz unter http://www.wirwarennachbarn.de.

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