Maria B. gehört zu den Frauen in Iwano-Frankiwsk, die ihren Mann in den Kämpfen gleich zu Beginn des Krieges in der Ukraine im Jahr 2014 verloren hat. Der Major ließ neben seiner Frau auch zwei Kinder zurück, einen 16-jährigen Sohn und eine achtjährige Tochter.

Im Stadtzentrum von Iwano-Frankiwsk gibt es einen parkartigen ehemaligen Friedhof, der zu frühen Sowjetzeiten weitgehend eingeebnet worden war: Von den dort gelegenen Ehrengräbern von Wissenschaftlern und Künstlern, von Politikern und Soldaten, die nach dem ersten Weltkrieg für die ukrainische Nation im Kampf gegen die Polen ihr Leben verloren hatten, ging wohl zu viel Gefahr für eine nationale Wiedererweckung aus; nur eine Handvoll Gräber hatte man – kunsthistorisch begründet – bewahren können; die schlichten Soldatengräber wurden nach 1990 anhand von Fotos wieder errichtet.
Dort wurden nun ein paar der ersten Kriegstoten von 2014 in neuen Ehrengräbern beigesetzt – u. a. auch der Ehemann von Maria B. Doch die Heldenehrung bedeutete für die Familie keinerlei Entlastung oder Unterstützung. Als Major verfügte Marias Mann ein gutes Einkommen, das nun wegfiel. Maria musste sich selbst kümmern, wie ihr Leben und vor allem das Leben ihrer Kinder weiter gehen sollte. Nichts war mehr sicher, zu den Sorgen um die finanzielle Situation und die dadurch auch gefährdete Ausbildung von Sohn und Tochter kamen auch die psychischen Probleme der Tochter und des Sohnes selbst, die den Tod ihres Vaters verwinden mussten.
Maria B. stellte bald fest, dass sie nicht allein vor solchen Problemen stand. Auch viele andere Witwen und Familien von Soldaten und Polizisten, die im Zuge der Kiregsereignisse zu Tode gekommen waren, vermissten Unterstützung von ihren heimatbezirken und -städten und fühlten sich allein gelassen.

Maria hat inwischen einige persönliche Konsequenzen gezogen. Über alle Zeichen der Solidarität und des Gedenkens am Grab ihres Mannes freut sie sich, aber es geht auch um die Zukunft ihrer Familie. So organiserte sie ihr Familienleben neu, zog in die Stadt, hat dort inwischen eine Arbeitsstelle bei der örtlichen Caritas und gründete zudem mit anderen Betroffenen einen eigenen Verein, der die Interessen der Witwen und Waisen durch Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache und durch Vertretung gegenüber den staatlichen Instituionen verdeutlichen und einfordern helfen soll. Das Lobbying zeigt seine positive Wirkung: 15 Witwen und 22 Waisen setzten mittlerweile darauf, im Verein gemeinsam mehr Nachdruck für die Sache ihrer Familien entfalten zu können…