UA – Kirchenhund Sarah

Sarah ist gerne immer mit dabei – auch bei Gruppenfotos.

In der Ukraine gibt es zahlreiche Straßenhunde. Im Dorf Troitsi ist eines dieser Tiere die Hündin Sarah. Das Straßenleben ist hart. Ein großer Hund riss ihr eines der Ohren ab. Aber sie hatte Glück und fand Anschluss bei der Kirchengemeinde. Immer wenn sie dort vorbeischaut, erhält sie Futter und Streicheleinheiten. Pfarrer Vasil taufte sie kurzerhand Sarah, und mittlerweile ist sie praktisch immer mit dabei, bei Gruppenfotos an der Kirche oder sogar auch schon bei einem Pilgerausflug der Gemeinde, als sie einfach in den Bus sprang und mitfuhr… #kirchenhundsarah. #Ukraine.

Einohr Sarah: Ist sie nicht niedlich?

A – Kräfte und Gewalten, denen wir uns besser fügen sollten

Der Plan wurde vor Monaten gefasst, Karten recherchiert, der Weg festgelegt, Quartiere ausgewählt, der Termin abgestimmt, die Hütten vorgebucht, Urlaub genommen. Eine achtägige individuelle Alpenquerung von der deutschen Alpenkante bis über den Hauptkamm nach Südtirol sollte es werden.

Alles war schließlich perfekt durchgeplant. Dann rückte der Termin näher, und die Wetterprognosen wurden schlechter: Regen, Wind, Temperaturabsturz. Im Alpenraum kann das im September einen Wintereinbruch bedeuten. So kam es wie es kommen musste: Schnee ab 1.400 Meter Höhe, an der Zugspitze, wo wir starten wollten, keine Sicht, Frost und durch Schnee und Eis unpassierbare Wege.

Wir warteten zwei Tage, ließen Wetterstein und Mieminger Kette beiseite, starteten im Inntal, der zurückgekehrte Sommer gab uns recht, auch wenn wir bei unserem ersten Gipfel die Ersten seit mehr als einer Woche waren und vorsichtig spuren mussten. Im Stubai waren die anspruchsvollsten Etappen planmäßig durchführbar, Sonne, Farben, bombastische Landschaften versöhnten uns mit dem misslungenen Start. Denn letztendlich geben Klima, Wetter und Natur in den Bergen den Takt vor, wer dagegen hält, zahlt womöglich einen zu hohen Preis. So haben wir zuletzt dann auch nochmals klein beigegeben und akzeptierten, dass der Überstieg nach Italien an der ausgesuchten Stelle für diese Saison nicht mehr möglich war. Eine Alternativroute endete im österreichischen Nordtirol.

Unser großer Plan war also zurechtgestutzt von den Naturgewalten und eine Art Tirolquerung geworden. Aber was macht es? Auch nächstes Jahr stehen die Berge noch, und im Juli kann es wieder los gehen…

Die Tour:

  1. Kematen – Adolf-Pilcher-Haus
  2. Via Gamskogel nach Neustift (1.500 Höhenmeter nonstop abwärts…)
  3. Ranalt – Nürnberger Hütte – Bremer Hütte (incl. 1.600 Meter Anstieg)
  4. Zur Gschnitzer Tribulaunhütte
  5. Abstieg nach Gschnitz

SK – Schön und sicher haltbarer, als damals erhofft und gedacht

Im ostslowakischen Kezmarok (Käsmark), malerisch am Fuße der Hohen Tatra gelegen, steht einer der übrig gebliebenen so genannten Artikularkirchen – ein nationales Kulturdenkmal und zum Unesco-Weltkulturerbe gehörend. Artikularkirchen entstanden Ende des 17. Jahrhunderts / Anfang des 18. Jahrunderts und waren eine Konzession an die evangelischen Gemeinden: Sie durften außerhalb der Stadtmauern an festgelegten Plätzen turmlose Kirchen rein aus Holz erbauen – die Verwendung von Steinen, Ziegeln und sogar Metallnägeln war untersagt.

Entstanden sind dadurch Baukunstwerke, die sich als beständiger erwiesen als sicher damals vom im Jahr 1681 beschlussfassenden Ödenburger Landtag erdacht. Die Kezmaroker barocke Holzkirche von 1717 hat im Grundriss eine Kreuzform; sie bietet im Schiff und auf den Emporen Platz für 1.500 Besucher. Der Eintritt zum Besichtigen kostet – zusammen mit dem Besuch in der benachbarten Neuen evangelischen Kirche (mit markantem rotem Anstrich im Stadtbild unübersehbar) drei Euro – Geld, was aber auch dem Erhalt des sehenswerten Sakralbaus zugute kommt. Und außerdem: Es lohnt sich. Ich empfehle einfach in einer der Reihen Platz zu nehmen und sich die nötige Zeit zu nehmen, um die Augen auf eine ausgiebige Reise zu schicken…

Offizielle Online-Seiten der Stadt in deutscher Sprache – auch mit allen relevanten touristischen Informationen

UA – Viel Ehre, aber wenig Unterstützung

Maria B. gehört zu den Frauen in Iwano-Frankiwsk, die ihren Mann in den Kämpfen gleich zu Beginn des Krieges in der Ukraine im Jahr 2014 verloren hat. Der Major ließ neben seiner Frau auch zwei Kinder zurück, einen 16-jährigen Sohn und eine achtjährige Tochter.

Maria Baran präsentiert in einem Erinnerungsbuch die Doppelseite über ihren Ehemann.

Im Stadtzentrum von Iwano-Frankiwsk gibt es einen parkartigen ehemaligen Friedhof, der zu frühen Sowjetzeiten weitgehend eingeebnet worden war: Von den dort gelegenen Ehrengräbern von Wissenschaftlern und Künstlern, von Politikern und Soldaten, die nach dem ersten Weltkrieg für die ukrainische Nation im Kampf gegen die Polen ihr Leben verloren hatten, ging wohl zu viel Gefahr für eine nationale Wiedererweckung aus; nur eine Handvoll Gräber hatte man – kunsthistorisch begründet – bewahren können; die schlichten Soldatengräber wurden nach 1990 anhand von Fotos wieder errichtet.

Dort wurden nun ein paar der ersten Kriegstoten von 2014 in neuen Ehrengräbern beigesetzt – u. a. auch der Ehemann von Maria B. Doch die Heldenehrung bedeutete für die Familie keinerlei Entlastung oder Unterstützung. Als Major verfügte Marias Mann ein gutes Einkommen, das nun wegfiel. Maria musste sich selbst kümmern, wie ihr Leben und vor allem das Leben ihrer Kinder weiter gehen sollte. Nichts war mehr sicher, zu den Sorgen um die finanzielle Situation und die dadurch auch gefährdete Ausbildung von Sohn und Tochter kamen auch die psychischen Probleme der Tochter und des Sohnes selbst, die den Tod ihres Vaters verwinden mussten.

Maria B. stellte bald fest, dass sie nicht allein vor solchen Problemen stand. Auch viele andere Witwen und Familien von Soldaten und Polizisten, die im Zuge der Kiregsereignisse zu Tode gekommen waren, vermissten Unterstützung von ihren heimatbezirken und -städten und fühlten sich allein gelassen.

Links die Gräber der Toten von 2014, rechts die wiederhergestellten Soldatengräber von 1919.

Maria hat inwischen einige persönliche Konsequenzen gezogen. Über alle Zeichen der Solidarität und des Gedenkens am Grab ihres Mannes freut sie sich, aber es geht auch um die Zukunft ihrer Familie. So organiserte sie ihr Familienleben neu, zog in die Stadt, hat dort inwischen eine Arbeitsstelle bei der örtlichen Caritas und gründete zudem mit anderen Betroffenen einen eigenen Verein, der die Interessen der Witwen und Waisen durch Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache und durch Vertretung gegenüber den staatlichen Instituionen verdeutlichen und einfordern helfen soll. Das Lobbying zeigt seine positive Wirkung: 15 Witwen und 22 Waisen setzten mittlerweile darauf, im Verein gemeinsam mehr Nachdruck für die Sache ihrer Familien entfalten zu können…

UA – Das Abenteuer „Straße“ wird seltener

In Stryj am Rande der Karpaten sind wir neulich mit dem Auto in ein Gewitter geraten. Der Himmel wurde immer schwärzer, dann fing es an zu regnen, un immer häufiger knallte es heftig blechern. Der Begriff „Hagelkörner“ traf es nicht, was da herunter kam: Golfballgroße Eisbrocken schlugen aufs Dach und auf die Windschutzscheibe des Fahrzeugs.

Blick unter dem sicheren Dach der Autowaschanlage hervor…

Zum Glück fuhren wir gerade an einer Autowaschanlage vorbei und konnten uns da hineinflüchten. Unter Dach konnten wir das beängstigende Naturschauspiel dann quasi „genießen“, das letztendlich nur wenige Minuten dauerte. Der Himmel wurde wieder hell, wir fuhren weiter.

Ein kleines Abenteuer. Die (west-)ukrainischen Straßen hingegen, die vor wenigen Jahren noch ein großes Abenteuer mit tiefen Schlaglöchern, kilometerlang fehlender Asphaltdecke und anderen Überraschungen boten, haben sich vielerorts normalisiert, an den eurpopäischen Standard angeglichen, können mit deutscher Straßenqualität, wo ja vereinzelte Schlaglöcher mittlerweise auch zum Standard gehören, inzwischen mithalten. Das ist einerseits natürlich sehr schön – vor allem für die Ukrainer selbst, andererseits ist es aber auch ein wenig schade. Deshalb hier nochmal – zur Erinnerung – mein Lieblingskilometer ukrainischer Straße… (Zu suchen braucht Ihr ihn nicht, es gibt ihn in dieser Form nicht mehr…)

D – Abkühlung mit Aha-Effekt

Sommerhitze in Berlin, auf der Suche nach Abkühlung ist ein Gang vom Flohmarkt am Schöneberger Rathaus in das imposante Gebäude naheliegend. Die Halle dunkel und wenig einladend, aber ein Hinweisschild auf eine ständige Ausstellung verspricht nicht nur legitimes Verweilen im Schatten der Gemäuer, sondern auch einen Informationsgewinn: Unter dem Motto „Wir waren Nachbarn“ kann man sich in einer Ausstellungsinstallation mit 160 Biografien jüdischer Zeitzeugen aus der Nazizeit und ihren individuellen Schicksalen bekannt machen, die in Schöneberg und im Kiez „Bayrisches Viertel“ einst zu Hause waren.

Der Ausstellungsraum erinnert an einen Bibliothekssaal, angenehm ruhig, hell, strukturiert, die Biografien werden an Lesetischen in aufklappbaren Mappen mit Berichten, Fotos, Dokumenten präsentiert. Ehe man es sich versieht, hat man sich an einer dieser Stationen festgelesen. Die Namen der sind teilweise bekannt – spannender aus meiner Sicht hier jedoch die Schicksale der Unbekannten, die teilweise als Kinder auf der Flucht, in Verstecken, bei der Deportation, in den Konzentrationslagern unglaubliche Tortouren erleiden mussten.

Das Schicksal eines Mädchens lässt mich nicht mehr los: Sie wird im Alter von sieben, acht Jahren über Monate in Kellerverschlägen versteckt, überlebt in Dunkelheit und Einsamkeit und wird schließlich von russischen Soldaten aus dem Versteck befreit. Nun – als alte Frau – lebt Rahel R. Mann wieder in Berlin und kommt jeden ersten Montag im Monat um 17.30 Uhr zu einer Lesung und zu einem Zeitzeugengespräch in den Ausstellungssaal. Hier dazu noch ein Link zum Weiterlesen.

Einmal im Monat ist Rahel R. Mann zu einer Lesung im Ausstellungssaal.

Der Besuch der Ausstellung ist frei. Alle relevanten Informationen für Interessierte im Netz unter http://www.wirwarennachbarn.de.

PL – Dieser Besuch besser am frühen Morgen…

Zur Auschwitz-Gedenkstätte in Oswiecim, zwischen Kattowitz und Krakau gelegen, ist einerseits ein Besuch für jeden Europäer und Deutschen sowieso obligatorisch, wenn err noch nicht dort war. Denn das Wachhalten der Erinnerung an diese Vergangenheit wird immer wichtiger, und genau an diesem Ort in Südpolen ist das Ausmaß der Nazi-Verbrechen und die perverse Perfektion der Tötungsmaschinerie dieses Regimes am ehesten zu erahnen und nachzuspüren. Andererseits ist der Ort von Besuchern überlaufen, Gruppen drängen sich auf dem Gelände, nirgends ist man nur Sekunden allein, um innezuhalten und das Lager und was dort gschah auf sich wirken zu lassen.

Eine Möglichkeit gibt es jedoch: Morgens bietet die Gedenkstätte einer begrenzten Zahl von unangmeldeten Gästen die Möglichkeit, das Gelände individuell zu betreten und zu besichtigen. Bis 9.00 Uhr muss man die Ticketkontrolle durchschritten haben. Von Krakau aus reicht es sich dafür um kurz nach sieben auf den Weg zu machen, damit man um ca. halb neun Uhr auf dem Gelände steht. Um es kurz zu machen: Für den Gang durch das weitgehend noch leere Lager, Verweilen am Stacheldrahtzaun, Einblicke in ein oder zwei Ausstellungen in den Baracken, und vor allem einen Gang in das Krematorium zu den Öfen, wo die unzähligen Getöteten verbrannt wurden – dies alles, bevor die vielen Führungen durch die Gedenkstätte Gedänken eigentlich unmöglich machen, lohnt sich das frühe Aufstehen allemal…

UA – Straßengeräusche osteuropäisch

Was macht es spürbar in Osteuropa zu sein? Der Straßenlärm in den Städten ist ähnlich: Autos, Gehupe, Stimmen, manchmal auch nächtliches Gegröle. Und doch reicht manchmal das offene Fenster, diese besondere Atmosphäre einzufangen, dass hier weiter östlich – etwa in Iwano-Frankiwsk am Rande der Karpaten – einiges noch anders ist als im Westen. Ein Gang über den Wochenmarkt, ein Verweilen in einem Café…, oder da reicht es auch zum Beispiel mal einfach, wenn der Wind Musik von der Straße ins Hotelzimmer herüberweht